Brahimi sorgt sich um Loya Jirga Afghanistan-Gesandter: Stimmenkauf vor Ratsversammlung
Frankfurter Rundschau
24. Marz 2002Der UN-Sonderbevollmächtigte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, plädiert dafür, den Auftrag der internationalen Schutztruppe Isaf auszuweiten, um die Wahlen zur Ratsversammlung zu sichern. In den Provinzen werde nämlich Wahlkampf "leider auch mit der Kalaschnikow" gemacht, sagte er der Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung. Die US-Armee berichtete, sie habe bei Kandahar ein im Bau befindliches Biowaffenlabor entdeckt.
In Afghanistan soll eine traditionelle Ratsversammlung im Juni über die politische Zukunft Afghanistans bis zu demokratischen Wahlen entscheiden. Der UN-Sonderbevollmächtigte Brahimi räumte ein, dass afghanische Kommandeure mit Geld und Einschüchterungsversuchen ihre Vertreter in der Loya Jirga durchsetzen wollten. Er bestätigte auch, dass nach einem Treffen der Kommission, die die Loya Jirga einberufen soll, vier Afghanen ermordet worden seien: "Wir befürchten einen Zusammenhang."
Der UN-Beauftragte sah allerdings auch Anlass für Optimismus: In Herat im Westen Afghanistans hätten bei einem Treffen mit Mitgliedern der Vorbereitungskommission 1000 Älteste ihren Willen bekundet, "die Warlords zum Teufel zu schicken". Brahimi lobte Deutschland für seine "enorme" Hilfe. Gleichzeitig mahnte er, die internationale Gemeinschaft müsse ihre Zusagen für den Wiederaufbau Afghanistans schnell einlösen.
Großbritannien wird länger als geplant Führungsmacht der rund 4000 Soldaten zählenden Schutztruppe Isaf bleiben. Außenminister Jack Straw sagte am Sonntag im Sender BBC, die für April vorgesehene Übergabe an die Türkei verzögere sich.
US-Soldaten haben in Afghanistan nahe Kandahar ein angeblich im Aufbau befindliches Bio- und Chemiewaffenlabor entdeckt. Das US-Verteidigungsministerium berichtete, es seien verdächtige Substanzen gefunden worden, jedoch keine fertigen Kampfstoffe. Die US-Regierung geht Hinweisen nach, wonach einer der Attentäter des 11. September mit Anthrax-Erregern infiziert gewesen sein soll. Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore teilte mit, der mutmaßliche Flugzeugentführer Ahmed Ibrahim Al Haznawi habe sich drei Monate vor den Anschlägen wegen einer Wunde am Bein behandeln lassen. Experten vermuteten, dass er mit Milzbranderregern infiziert gewesen sei. Die US-Bundespolizei FBI hatte zuletzt keine Verbindung zwischen anonymen Milzbrand-Drohbriefen und den Flugzeugattentaten vom 11. September angenommen.
Ein Batteriewechsel an einem Ortungsgerät hat laut Washington Post zu dem fehlgeleiteten US-Angriff im Dezember geführt, bei dem drei eigene Soldaten und fünf Afghanen getötet wurden. Beim Neustart habe das Gerät die eigenen Koordinaten durchgegeben.