Israel bittet Deutschland um Patriot-Raketen Schutzmaßnahme für den Fall eines Irak-Schlags der USA - Struck bestellt weniger Militär-Airbusse als vereinbart
Die Welt
25. November 2002
von Hans-Jürgen LeerschDie Bundesrepublik ist von Israel um Bereitstellung von Luftabwehrraketen des Typs Patriot gebeten worden. Dies erfuhr die Welt aus Bundeswehrkreisen. Mit dem Patriot-System will sich Israel besser vor irakischen Raketenangriffen schützen. In Jerusalem wird mit irakischen Attacken gegen Israel gerechnet, falls es zu einem Angriff der USA auf den Irak kommen sollte.
Bereits im Golfkrieg 1991 hatte der irakische Diktator Saddam Hussein Raketen auf Israel abfeuern lassen. Die Waffen hatten jedoch kaum Schaden angerichtet. Wie die Welt erfuhr, ist Israel nicht an der Stationierung deutscher Soldaten interessiert. Man habe in Berlin nur wegen der Lieferung von Raketen angefragt. Das Verteidigungsministerium wollte sich bisher nicht äußern.
Zuvor hatte Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) massiv Presseberichte dementiert, in denen es geheißen hatte, die USA hätten in Deutschland wegen der Bereitstellung von Patriot-Raketen für den Einsatz in der Nahostregion angefragt. "Es gibt keine Anforderung der Amerikaner für Patriot-Raketen", sagte Struck im ZDF. Ein Regierungssprecher ergänzte, die Bundesregierung prüfe weiter die Bitten der USA, die jedoch "wenig spezifiziert" und zum Teil konkretisierungsbedürftig seien. Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, sagte, einer existenzbedrohenden Gefahr für Israel könne man "nicht einfach zusehen". Unterdessen wurde bekannt, dass Deutschland erheblich weniger Militär-Airbusse als die bisher vorgesehenen 73 Maschinen bestellen will. In einem Schreiben des Verteidigungsministeriums an den Haushaltsausschuss heißt es, die Regierung fühle sich an die bisherigen Verträge nicht mehr gebunden.